Tradition A Musi, a Tanz und ganz viel Brauchtum



Mundart & Brauchtum

"Wer seine Heimat liebt, liebt ihre Sprache!"

Das, was der Mensch "Heimat" nennt, ist zu allererst die Muttersprache - für die Waidler das Altbayerische. Vereine aus 5 Landkreisen gehören dem Bayerischen Waldgau an und innerhalb dieses Einzugsgebiets gibt es wiederum eine Vielzahl von Dialektformen.

Im Süden von Deutschland, im Osten von Bayern direkt an der tschechischen Grenze entlang schmiegt sich der nicht ganz 5000 qkm große Bayerische Wald.
Im Oberen Wald sprechen die Waidler "nordgauisch" - Oberpfälzer und Egerländer Mundart.
Bis in die Gegend von Viechtach zieht sich eine alter, jetzt im Abbröckeln begriffener Dialekt mit gedehnten offenen Vokalen - das "Regentalerische".
Die Mundart im Mittleren Wald hat sich am meisten den Altbayerischen Charakter bewahrt.
Im Unteren Wald macht sich die Sprache aus dem nahen Oberösterreich bemerkbar.

Bekannte aus Böhmen eingewanderte Ausdrücke sind z. B.
Zweschbm = Zwetschge
Bexn = von Salvischen Pecka = Kern der Steinfrüchte
Golatschn = Backwerk

Sagt man in Cham zum Mädchen "Moidl", nennt man es in Regen "Deandl" und ganz unten im Wald wirds zum "Dirndl".
Hörte man früher einen statt Hemad "Pfoad" sagen, so hieß es: "Des is a Waidler".

Zwee - zwo - zwoa: Die Zahl zwei ist ein Beweis dafür, dass die Dialektformen viel feinere Ausdrucksmöglichkeiten gestatten als die hochdeutsche Schriftsprache. Wenn man sagt: Zwei gehen vorüber, so weiß man nicht, sind es zwei Männer, sind es ein Mann und eine Frau oder sind es zwei Frauen. Im Dialekt sage ich aber: Do kemmand zwee - ent ratschnd zwo - drent stengand zwoa, dann weiß jedes Kind, dass es sich im ersten Fall um zwei Männer, im zweiten um zwei Frauen und im dritten um einen Mann und eine Frau handelt.

Gar nicht so einfach ist es, unsere Mundart schriftlich wiederzugeben. Es sind ihr Vokale eigen, die für die es im Alphabet kein Schriftzeichen gibt, um sie richtig darstellen zu können.

Von wegen "hinterwaidlerisch", von wegen "Provinz"! - Heutzutage spricht man auch im Wald ganz nebenbei Hochdeutsch und lernt Fremdsprachen.
Möge jeder das Selbstbewusstsein haben, zu seiner Muttersprache zu stehen, sie nicht zu verstecken, sondern sich an ihr zur erfreuen und die Schönheit der Vielfalt zu entdecken. Das kann doch nur Bereicherung sein!

So viel gäbe es an Einzelheiten der Waidlersprach zu erläutern, dazu ist aber dieser Platz nicht geeignet.

Wer gerne liest, dem dürfen wir Michael Kollmer aus Moosbach bei Prackenbach ans Herz legen, der mit seinen 4 Büchern einen unersetzlichen Schatz geschaffen hat:
  1. "Wesenszüge des Bairischen" nachgewiesen an der Mundart Niederbayerns und der südlichen Oberpfalz, insbesondere des Bayerischen Waldes
  2. "Die schöne Waldlersprach" von Wegscheid bis Waldmünchen, von Passau bis Regensburg 1. Band
  3. "Die schöne Waldlersprach" ... 2. Band
  4. "Die schöne Waldlersprach" ... 3. Band

Elfriede Dannerbauer, Trachtenberaterin a.D.




Land und Leit im Woid

Da Boarische Woid, dös is unsa Hoamatland,
es gibt nix Schönas umranand,
wo 's Gäu und da Lallinger Winkl sich an Woid zuawendt,
da Arba, Rachl und Lusn grüaßn her vo ent,
wo da Regn und d' Ilz durch unsa schöns Landl rinnt,
wo se d' Leit no zu na Sitzweil zamafindn.

Wo unsere Woidbergn zum Himmi sich erhebn,
ois möchtns affi zum Herrgott segn,
wo üba d' Höh da Böhmwind saust
und da Woid so hoamli rauscht
andachtsvoi wia im Gebet,
ja von unsan Bayerwoid is da dö Red.
D' Leit voi Kraft und Innigkeit,
schlicht und oafach, wia si's ghört,
grod wia dö Baam,
dö mitn Woid vowachsn hand.

A gsunds Voik vom odn Schlog,
wo a s'Brauchtum no sei Hoamat hod,
wo ma dös Oide no in Ehren hoit,
a so hand d' Leut im Boarischen Woid.
Ja a Liab zu da Hoamat, zu da Arbat,
zum Musiziern, Tanzn und Singa a Freid,
a so hands und soins a bleibn,
bei uns im Woid herinnat dö Leit.

Sepp Schiller

Kultur

Arberkirchweih

Die Arberkirchweih ist die älteste Bergfeier des Bayerischen Waldes.

Die Geschichte der Arberkirchweih

"Ratschen an Ostern"
oder: "Brauchtum des Karklapperns"

Die Jugendgruppe des Trachtenvereins Pastritztaler Schafberg traf sich am Karfreitag bereits frühmorgens, um einem alten Brauch nachzugehen, dem „Ratschen“.

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Das "Lorenz-Marterl" des Heimat- und Volkstrachtenvereins Schönberg

Der Heimat- und Volkstrachtenverein Schönberg hat seit 1986 eine Patenschaft über ein Wegkreuz, das so genannte "Lorenz Marterl" übernommen.
Ein Bericht von Georg Pichler, Vorstand Heimat- und Volkstrachtenverein Schönberg

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Theater und Laienspiel

Das Theaterspielen liegt dem Waldler von jeher im Blut. In vielen Dörfern gibt es Laienspielgruppen die jährlich ein neues Stück einstudieren, das meistens an zwei oder drei Wochenenden in der Fastenzeit oder zwischen Weihnachten und Neujahr aufgeführt wird. Mehrere Mitgliedsvereine des Bayerischen Waldgaus haben eine eigene Theatergruppe. Aber nicht nur das "Bauerntheater" wird in Ostbayern und dem Bayerischen Wald gepflegt, auch viele Festspiele haben im Kulturprogramm der Region ihren festen Platz und sind weithin bekannt. Vom ältesten Volksschauspiel Deutschlands, dem "Further Drachenstich" über diverse Burgfestspiele und historische Aufführungen sowie Freilichtspiele bis zum Kindertheater ist vieles geboten. Und durch Hilfe von Profi-Regisseuren erreichten diese Laienbühnen im Laufe der Jahre ein hohes Niveau.
Näheres zu den Festspielen gibt's unter: www.festspielsommer.de

Von Gauseite wird das Laienspiel in Jugendbildungsmaßnahmen (JUBI) den Jugendlichen näher gebracht. Bei diesen Veranstaltungen dreht sich dann drei Tage lang alles "rund um's Theaterspielen". Und mit "alles" ist auch gemeint, dass die jungen Leute "alles" selbst machen. Vom der Kulissenmalerei, über die Auswahl bzw. Erstellung der Requisiten, der musikalischen Umrahmung, bis zur Aufführung der Theaterstücke. Wobei der Begriff Theaterstücke etwas zu hoch gegriffen ist. Es handelt sich dabei mehr um "Theaterstückerl" oder Sketche, denn in der Kürze der Zeit ist mehr nicht zu verlangen. Und "verlangt" wird etwas von den jungen Leuten, denn es sollen doch alle Teilnehmer von dieser JUBI auch etwas mit nach Hause nehmen können. Damit dem so ist, stehen den Teilnehmern erfahrene Laienspieler, Musiker und Jugendleiter zur Seite.


Wußten Sie schon....

  • ...dass im Jahre 1806 die erste Kapelle auf dem Arber erbaut wurde?
    Geweiht wurde sie "Maria Königin", das am 22. August gefeiert wird. Seit 1806 pilgerten jährlich viele Gläubige am Sonntag vor oder nach Bartholomäus zur Arberkapelle. Nach dem 1. Weltkrieg war die Kapelle zerstört und es fand jahrzehntelang keine Arberkirchweih mehr statt. Erst 1957 wurde durch Fürst Friedrich Wilhelm von Hohenzollern wieder eine Kapelle errichtet.
    Die Bartholomäus-Kirchweih auf dem Arber wurde 1965 wiederbelebt. Seitdem pilgern Jahr für Jahr wieder Tausende zur Arberkapelle, um dort der Waldlermesse unter freiem Himmel beiwohnen zu können.
    Das Fest des Apostels Bartholomäus wird am 24. August gefeiert. Als Patron der Glasmacher, Holzhauer und armen Leute wird der am 24. August 1613 geborene Bartholomäus Holzhauser verehrt.
  • ...dass 1952 die mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus bekannte Waldlermesse von Oberstudiendirektor Eugen Hubrich aus Straubing verfasst und von dem gebürtigen Kirchberger Ferdinand Neumaier komponiert wurde?
  • ...dass der Vorwald nach Angaben von HH Pfarrer G. Oswald in seinem Buch "Geschichte der Stadt Regen" bereits im 8. und 9. Jahrhundert besiedelt wurde? Manfred Burkhard behauptet im "Historischen Atlas - Regen" hingegen, die Rodungen hätten erst im 11. und 12. Jahrhundert eingesetzt. Als "ältester Ort des Mittleren Bayerischen Waldes" bezeichnet sich Rinchnach, das im Jahre 1012 von St. Gunther gegründet wurde.
  • ...dass einst ungefähr 12 Handelswege über den Grenzkamm führten? Der älteste davon ist der "Böhmweg", der bekannteste wohl der "Goldene Steig".
  • ...dass erst mit der Einführung der Kartoffel im Bayerischen Wald ab 1758 die Hungerkatastrophen ein Ende hatten?
  • ...dass der Isidor-Bauernverein Regen gewachsen aus der "Ehrbaren Bauern-Bruderschaft" schon 1829 als der älteste Kulturverein in Bayern gewürdigt wurde ("Kultur" im Sinne von "Bodenkultur" und "Landwirtschaft")? Zur Gründung gibt es zwei Versionen: die erste verweist auf eine "Verbrüderung" nach dem 30jährigen Krieg (1618 - 1648); die zweite stützt sich auf eine Rechnung datiert 1719.
  • ...dass die größten Einnahmequellen die Viehzucht und der Flachsanbau darstellten?
    Der Bayerische Wald war berühmt für seine Ochsenmärkte - sie reichen vermutlich bis ins 14. Jahrhundert zurück.
    Der "Lein" oder "Hoa" gehörte zu den wichtigsten Kulturpflanzen und war beinahe überall zu finden. Flurbezeichnungen wie "Brechhausacker" oder Familiennamen wie "Weber" erinnern noch heute an jene Zeit. Importe von billigen Webstoffen und Industrialisierung beendeten die Flachswirtschaft in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.
  • ...dass der Bayerische Wald zu Zeiten der Monarchie noch als Armutsgebiet und Notstandsregion galt?
    Um 1875 war die Region Ausgangszentrum für Saisonarbeiten, wie z. B. Hopfenzupfen in der Hallertau, Heuernte in Oberbayern und im Allgäu oder Getreideernte im Gäuboden.
  • ...dass ab dem 15. Jahrhundert die Perlfischerei bei uns gab?
    Flussperlmuscheln liebten die kalk- und nährstoffarmen aber sauerstoffreichen Bäche. Allgemeine Gewässerverschmutzung, Versauerung, Mineraldünger usw. führten dazu, dass sie heute vom Aussterben bedroht sind.
  • ...dass es im 18. Jahrhundert neben 52 Sonntagen auch noch 19 gebotene und 53 regional verschiedene Feiertage gab?
    Die Arbeitstage waren hart und lang und Urlaub gab es nicht. Und so konnte man trotzdem der Enge der Dörfer entfliehen: Man ging Wallfahrten! Die Waldler waren sehr religiös, sie dankten und beteten viel zum Schöpfer und allen Heiligen um Gesundheit für Mensch und Tier.
  • ...dass vor dem 2. Weltkrieg zur Erntezeit der Waldbeeren täglich Güterzüge voller Heidelbeeren aus dem Wald rollten?
  • ...dass 1805 längs der Böhmischen Grenze noch 5 Bären in einem Jahr erlegt wurden? Der Wald war ungemein reich an Wild. Schon bevor der Wald besiedelt wurde, durchstreiften Jäger und Fischer die Gegend.
  • ...dass seit dem 14. Jht. im Bayerischen Wald Glas hergestellt wird? Die erste Glashütte stand bei St. Englmar. Die Glasmacherfamilie von Poschinger in Frauenau ist die älteste Industriellenfamilie Deutschlands (besteht seit ca. 450 Jahren).
    Aus neuerer Zeit stammen die 250 km lange Glasstraße, die von Waldsassen bis Passau führt, die Glasmusikfestspiele, die alle zwei Jahre das Programm neben der Glasstraße bereichern, die gläserne Scheune und den gläsernen Wald.
  • ...dass die bekannteste Persönlichkeit des Bayerischen Waldes der Waldprophet "Mühlhiasl" war bzw. ist? Seinen Weissagungen wird heute noch Interesse geschenkt.
    "Wenn sich die Bauernleute gewanden wie die Städtischen und die Städtischen wie die Narren ..."
    "Wenn die Wagen ohne Ross und Deichsel fahren ..."
    "Wenn d'Leut nichts mehr tun als fressen und saufen, schlemmen und dämmen ..."
    "Wenn der Hochwald auschaut wie dem Bettelmann sein Rock ..."